Ich bin dann mal weg…

März 3, 2009

Wieder mal etwas für die Kategorie „Soziale Erfahrungen“.
In näherer Vergangenheit kam es mehrfach vor, dass ich ältere Menschen aus dem Krankenhaus in ein Altenheim fahren sollte. Soweit keine Besonderheit. Pikant wird die Sache einerseits, wenn die Leute neu in das Heim eingewiesen werden und andererseits, wenn sie bis zum Zeitpunkt des Fahrens noch gar keine Ahnung davon haben.
Jeder der eine etwas ältere Oma hat, kennt sicher ein Gespräch über den eventuellen Umzug ins Heim, der zumeist mit Totschlagargumenten gegen das Heim von der Oma selber endet.
Nun sind aber die Krankenhausschwestern mit der Taktik es einfach nicht zu sagen, und hinter dem Rücken der meist ohne großartig verantwortliche Nachkommen verbliebenen Senioren zu entscheiden schön aus dem Schneider. Wenn dann der Fahrer kommt, und es nicht in die Blumenstraße 5 ins traute Heim gehen soll, sondern in den Seniorenstift ‘Alte Laube’, dann sind sämtliche Gefühle, die das mit sich bringt bei mir im Auto.
Hilflosigkeit. Angst. Enttäuschung. Wut.
Die gesamte Palette an negativen Emotionen, die die oft sogar falsche Vorstellung vom Leben im Altenheim mit sich bringt, muss ich kompensieren und versuchen die Sache gerade zu biegen.
So gut wie das meistens klappt und so nötig es oft sein mag, die Leute wirklich da hin zu bringen… Es ist eine Schande von allen Schwestern und Ärzten, die Personen nicht mit ausreichender Zeit davor darauf vorzubereiten.
Und jetzt kommt mir hier keiner mit Alzheimer und so. Sowas merken sich alle.

Es gibt auch noch eine andere Version dieser Fälle. In diesem kann ich zum Wohle meiner eigenen Sicherheit sogar verstehen, warum nichts gesagt wird. Trotzdem jedoch ist es als aussenstehender hart.
Konkret geht es um die Einweisung eines Menschen in die geschlossene Anstalt. Dort sitzen nicht zwangsläufig nur Sexualverbrecher und chronische Gewalttäter.
Die Menschen von denen ich wusste, dass sie dort hin kommen waren meist körperlich und geistig fit wie n Turnschuh und ne Packung Dextro Energen. Aufgrund irgendeines kleinen Defektes und/oder eines ärztlichen Befundes wird ihnen dann die Freiheit auf perfide Art geraubt. Und dann werden die Leute auch noch in dem Glauben gelassen, sie führen zum Arzt. Wie schon gesagt. Aus einem Grund finde ich das sehr gut. Weil wer weiß wie viele Flucht- und Mordversuche es geben würde, wüssten diese Menschen von ihrem Schicksal. Und doch. Es ist zutiefst verletzend, jemandem bewusst so eine krasse Wahrheit zu verheimlichen. Welch grausame Arbeit haben dann erst die betreuenden Ärzte und Schwestern in der geschlossenen Anstalt selbst? Das ist wohl auch nur ein Bruchteil von dem an betreuender Leistung wie bei den Senioren auf dem Weg ins Heim.

Derbe Sache diese ganze Welt.


Abenteuer bei Nacht und Nebel

März 3, 2009

Eines Nachmittags kam ich von einer längeren Fahrt sehr spät in die Zentrale zurück. Fast jeder war schon nach Hause gegangen und im Büro war nur noch die Restbesetzung von Spät- und Nachtschicht. Als ich reinkam, war eine der beiden Personen gerade am telefonieren. Wie sich dann herausstellen sollte, bestellte gerade ein Bewohner des Mittleren Ostens eine Liegendfahrt von seiner Flugankunft Frankfurt in ein Krankenhaus nach Regensburg.
Sofort spitz wie Nachbars Lumpi beworb ich mich gleich um die Fahrt und bekam sie letztendlich auch.
Mein erstes richtiges Fahrdienst-Abenteuer in weiter Ferne.

Kleiner Wermutstropfen bei der Sache war die Zeit. Der Mensch kam zu der muslimischenunchristlichen Zeit von 5:30 an einem Sonntagmorgen an. Das hieß mit Einplanung von etwa dreistündiger Fahrt und genügend Zeit zur Orientierung und Anmeldung ein Losfahren von morgens um ein Uhr.
Aber was tut man nicht alles für eine schöne lange Fahrt.
Die Sache ging dann sowohl mit der Übergabe von den Lufthansa-Sanitätern zu mir, als auch mit Wetter und Straßenverhältnissen reibungslos und ohne große Berichtenswerte Vorkommnisse. Bis auf einen Nebel, wie ich ihn noch nie gesehen habe (ca. 20-50m Sicht auf der Autobahn) bei dem es auch noch Nacht war, der die Ankunft dann minimal verzögert hatte ist eigentlich nichts weiter zu sagen als: Ich habe ins Fahrtenbuch 676km schreiben dürfen!
Gerne nochmal. Wohin gehts nächstes Jahr in den Urlaub?


Hinter den sieben Bergen…

Februar 15, 2009

Wieder ein Teil meiner staatsbürgerlichen Wehrpflicht ist erfüllt. Der fünftägige „Einführungslehrgang“ (immerhin nach ‘nur’ 2,5 Monaten Zivildienst) im tief hinterwaldlerischen Spiegelau. Ein kleiner Einblick in diese hochspannende Woche soll hier seinen Platz finden.

Nach knapp 125km Fahrt über Stock und Stein und unzählige Hügel und Berge kam ich im überraschend schneelosen Spiegelau im Bayerischen Wald an und verfuhr mich erstmal, da ein Schild mit der Beschriftung „Schule“ natürlich nicht die Zivildienstschule meinte. Lustigerweise fuhr mir seit der Autobahnausfahrt (ca. 40km von Spiegelau entfernt) ein Fahrzeug mit dem Kennzeichen einer weit entfernten bayerischen Großstadt hinterher, von dem ich schon nach einigen Kilometern dachte, es wäre sicher ein Mit-Zivi. Dieses Auto fuhr mir dann auch noch den falschen Weg hinterher und drehte mit mir wieder um. Beide am richtigen Parkplatz angekommen wurde dann die erste Bekanntschaft dieser Woche gemacht, und der Fahrer des Autos wurde mein zukünftiger Zimmerkollege für diese Woche.
Nachdem die ersten Eindrücke von Anmeldung und ‘Einchecken’ schon sehr bürokratisch abliefen, wussten wir noch nicht, welche bundeswehrtypische Atmosphäre diese Woche innehaben sollte.
Die ersten Anweisungen von der Rezeption waren ‘Hausordnung lesen’, ‘Stundenplan anschauen und merken’, ‘Orientierung im Haus gewinnen’ und schließlich nach einer dreiviertel Stunde aufenthalt zum Entpacken und Einrichten ‘Einfinden im Plenarsaal zur Einführungsrede’.
Diese Einführungsrede stellte noch einmal die wichtigsten Punkte der Hausordnung dar und betonte vor allem das Rauch- und Hartalkoholverbot im Haus. Anschließend an die Rede der den kranken Chef vertretenden resoluten Heimleiterin kam noch der smarte Freizeitbetreuer mit dem sehr erheiternden Namen einer Jahreszeit. Er sprach von den Spiegelauern als Eingeborene (er war selbst keiner und konnte es sich erlauben.) und der Bayerische Wald war für ihn aufgrund der massiven Freizeitmöglichkeiten für die Jugend sowieso Bayerisch-Kongo.
Nachdem wir dann alles wissenswerte bezüglich der Umgebung und des Wohnheims erfahren haben, sollten wir uns alle mal die drei Themen kurz anschauen, mit deren Entscheidung wir uns automatisch in eine von drei Gruppen aufteilten. Mich persönlich sprach ‘Demokratie in der Krise’ erheblich mehr an, als die Dauerbrenner ‘Sicherheitspolitik, Nato, …’ und ‘Lebensplanung’. Die Entscheidung dafür sollte sich noch lohnen.
Bevor es aber zu den ersten Unterrichtseinheiten ging, gab es erst noch mal einen schönen Einstieg in die kommende kulinarische Woche. Das Mittagessen, war schon mal gefühlt besser als alle 10 Hauptmahlzeiten in Habsberg zusammen. Wenn das so weiter geht, hat sich die Sache schon mal halbwegs gelohnt.
Mit den ersten Worten unseres Dozenten, der die ganze Woche der gleiche bleiben sollte (nicht nur der Dozent an sich selbst blieb gleich, sondern er sollte bei uns bleiben.) war die Entscheidung für das Thema schon als die Richtige identifiziert. Der gute Mann kam deutlich hörbar aus der Nähe von Hamburg, was für einen Halbfriesen wie mich schon was tolles ist. Der Rest an Lehrgangsteilnehmern, zum Großteil mit bayerischen Wurzeln, fand es auf andere Weise auch sehr amüsant.

Nach einer Nacht mit sehr heftigem Schneefall sah der Ort dann schon mal erheblich anders aus. Solche Schneemengen innerhalb einer einzigen Nacht kennt man als Städter halt mal gar nicht, und deshalb hier eine recht ausführliche Fotostrecke.

Um die Sache jetzt mal nicht ganz so aufzublähen, schalt ich mal nen Gang höher. Die ersten drei Tage vergingen mit Vorstellungsrunden und vergeblichen Versuchen eine politikverdrossene, meinungslose Masse dazu zu begeistern, was für ein Luxus eine Gesellschaft mit Grundrechten ist. Kleine Geschichten aus anderen Länder stellten noch dar, wie es anders sein kann. Entweder ohne Grundrechte, oder mit Grundrechten, die in den seltensten Fällen eingehalten werden und somit auch praktisch nicht vorhanden sind. Das war vom Kern her sehr interessant und ich bewundere die pädagogischen Fähigkeiten unseres Dozenten immernoch.
Nur was nützt die beste Rethorik zusammen mit großer psychologischer Erfahrung, wenn man zu einem Stück Brot spricht?
Die letzten beiden Tage widmete sich die Gruppe der Dozent und zwei bis drei Einzelpersonen der nur teilweise vorhandenen Demokratie in Italien und den rechtsstaatlichen Überresten des Landes, was bei den Gesprächsrunden auch nur wenig neues hervorbrachte und nur in kleinen Frontalvorträgen mal kurzzeitig interessant wurde. Wohl auch deshalb, weil dann das Brot ungestört schlafen konnte.
Insgesamt war diese Woche das Ergebnis eines verzweifelten Versuches von Vater Staat, die politische Bildung der männlichen Jugend etwas anzuheben, was aufgrund der üblichen Motavation unter halbpubertären Schülern einfach nur missglückt ist. Die Lehrkräfte waren echt top. Die Themen sollten jedem ewas bieten. Doch wenn 90% der Lerngruppe sich querstellen, bringt der Kurs auch dem anderen Zehntel gar nichts. Leider.
Somit war der einzige sinnvolle Teil der Woche eines so ganz ungewohnt analkoholischen Lehrgangs, dass der Abend richtig viel Zeit bot, um viel zu lesen. Interessante Facharbeiten, tiefgründige Bücher und Einleitungen in LaTeX… Alles, was man sich für die Gelegenheiten mit viel Zeit aufhebt ;)
Und übrigens: Es ist nicht der letzte Hammer in den Pudding gefallen!


Deutsche Qualität

Januar 30, 2009

Ach und nochwas. Der hochgelobte Mercedes Sprinter aus dem vorletzten Beitrag hatte schon wieder einen Federbruch. Diametral versetzt zwar, aber trotzdem Grund zur Fahrunfähigkeit.


US Army, Geld und Rücken.

Januar 30, 2009

Zum Wochenende mal wieder ein kleines Update aus meinem (Arbeits-)Leben.

Im Laufe dieser Woche habe ich auf einem Fahrauftrag den Namen Nanny Goldsmith* entdeckt, und darauf stand – wie bei dem betreffenden Krankenhaus üblich – das Geburtsdatum. Jahrgang 88, und englischsprachig… naja das wird ja mal eine interessante Fahrt.
Als ich zur Station ging, fragte mich die Schwester sofort nach meinen Englischkenntnissen, die plötzlich unglaublich gering waren, aber gerade zur Verständigung ausreichten. Da war also doch tatsächlich eine 20-jährige Dame aus Oklahoma mit ihrem durch die Army in Hohenfels stationiertem Freund/Mann schwanger geworden, und jetzt deswegen in einer Regensburger Klinik. Keiner der beiden konnte auch nur ein Wort Deutsch (bis auf „Dängesoen“, und „Of widersän“, was er beides für Dankesformeln hielt ‘weil die das am Ende beim McDrive immer sagen’). Der ursprünglich aus Kalifornien stammende Soldat (der lieber nach gräifenwoar als nach hoonföils wollte), war recht gesprächig und wir haben uns die ganze Fahrt lang über „Deutschland“ unterhalten. Es gefalle ihm. Regensburg ist eine schöne Stadt („Haben Sie die Altstadt schon gesehen?“ – „Nein. Ist die auch so schön?“) und er will unbedingt mal nach Berlin. Lustigerweise konnten die wenigsten Menschen im Krankenhaus ein ordentliches Englisch, das für ein „Gehen Sie mal nen Moment ins Wartezimmer“ ausreicht. Können die alle nur Latein, oder was?

Zweite Geschichte der Woche, die ich Anfang der Woche schon aufschreiben wollte. Nichts ahnend dessen, dass es sich sogar noch mal wiederholen sollte.
Eine Fahrt über nicht mal drei Kilometer. Eine Verlegung vom Krankenhaus ins Pflegeheim (in dem die Person vorher nicht war). Die beiden Begleitpersonen haben sich interessanterweise über die fortgeschrittene Demenz der Patientin abwechselnd lustiggemacht und wieder aufgeregt. Offenbar waren sie mit der Situation überfordert, da der Fall doch recht plötzlich kam.
Jedenfalls habe ich dann im Pflegeheim nach 10 Minuten Fahrt einen zweistelligen Trinkgeldbetrag erhalten, der die Summe der letzten beiden Wochen noch übertrifft. Das war schon sehr krass für die Leistung irgendwie.
Teil zwei dann in den letzten Tagen noch einmal.
Diesmal eine weitere Fahrt und anstrengendes Hochtragen in den zweiten Stock per Tragestuhl. Der Patient hat sehr stark nach Rauch gerochen und in der Wohnung war eine Luft, die ich noch nie erlebt habe. dick wie Butter und stickig wie nochwas. Rauch und Kohlenmonoxid haben dort eine Symbiose eingegangen, die jedes Leben unmöglich machte. Jedenfalls haben mich der Rauchgeruch der Person und das stehen von einigen Bierflaschen auf dem Wohnzimmertisch davon überzeugt, dass es diesmal wohl kein Trinkgeld geben wird. Und dann geschah für mich und den wegen des hochtragens vorhandenen Kollegen ein kleines Wunder. Der Mann zog einen Zehner aus der Tasche. Erster Gedanke war ‘Wow! Fünf Euro für mich. Toller Tag!’ und dann zieht der auch noch einen zweiten gleichen Schein heraus um jedem von uns das gleiche zu geben. Uff. Das war dann schon eine herbe Fehleinschätzung und die Freude war groß. (Was ist das Gegenteil von Enttäuschung? Überraschung?). Es gilt wohl mal wieder wie desöfteren, dass die, die am wenigsten haben, am meisten geben. (Seinen Kommentar, dass ihm alle Millionen nichts nutzen, wenn er die Treppe nicht hochkommt, nehm ich aber dann doch mal nicht ernst ;) )

Rücken. Der dritte Teil der Wochenschau dieses kleinen Wochenrückblicks ist kein tolles Erlebnis während der Arbeitszeit, sondern eher eine Folge davon.
Es kommt doch recht oft vor, dass Leute im Roll- oder Tragestuhl in höhere Stockwerke müssen, da kein Aufzug vorhanden ist und sie selbst nicht gehen können (oder wollen -.-). Nicht immer oder sogar fast nie, lässt sich dabei rückenschonend Arbeiten. Das merkt man dann natürlich am Abend. Im Moment sind die Beschwerden eher verspannungen oder überdehnungen, aber ich glaube ich Befürchte zurecht, dass da auch gerne mal mehr draus werden kann. Was jetzt tun? Für Krafttraining ist es aufgrund von Zeit und Konditionsmangel leider zu spät, und irgendwer muss die Arbeit ja machen. (Ist ja nicht so, dass ich immer alle solche Aufträge bekomme. Es sind halt einfach insgesamt so viele.) Kollegen arbeiten seid Wochen mit halbverstauchten Füßen und schrägen Rücken rum und ähnliches. Was hab ich dann am Ende davon? Soziale Erfahrung und Geld. Und Rücken.
Welcher Zivi holt mich dann mal ab?

*Name natürlich geändert.


Hungerlohn? Oder doch Notwendigkeit?

Januar 14, 2009

Drei Tage sind in dieser Woche erst vergangen, und doch gibt es ein paar Sachen, die ich jetzt schon loswerden muss. Allein deshalb, weil ich jetzt mal wieder Zeit habe.
Aber zu diesem Problem will ich gerne erst als zweites kommen.

Zuerst eine im Nachhinein fast lustige Geschichte. Letzte Woche irgendwann tat es einen ziemlichen Schlag in einem unserer Sprinter und dann war wieder Ruhe. Tagelang wurde damit noch gefahren und auch diese Woche Montag und Dienstag waren ohne größere Probleme vorbeigegangen. Mittwoch morgens dann hing der Wagen hinten ganz schön runter und wir haben zuerst einen defekt in der Hubautomatik vermutet.
Naja ok, man denkt sich ja nix dabei… und wir sind noch weiter gefahren. Zwei bis drei Fahrten, die allesamt gut gingen.
Dann am späten Vormittag, bin ich nach einer letzten Fahrt in die Werkstatt gefahren um mir die Sache mal anschauen zu lassen. Ich meinte noch zu dem Mechaniker, dass ich danach noch ne Fahrt hätte, und er sich das erst mal nur anschauen soll und sagen soll wie lang es dauern würde, und dann komm ich am Nachmittag noch mal vorbei. Nach einigem Suchen unter dem Auto, mehrmaligem hoch- und runterfahren der Hubanlage und anderen Dingen war dann das Ende vom LeidLied ein Anruf in der Zentrale. „Schickt mir doch mal bitte wen vorbei, der mich abholt. Der Mechaniker will mich mit dem Auto keinen Meter mehr fahren lassen und es wird auch so schnell nicht fertig“. Eine gebrochene Federung, die im schönsten Fall noch zu einem aufgeschlitzten Reifen hätte führen können war dann letztendlich die Ursache.
Eigentlich hat Mercedes hier fast ein Lob verdient, wenn man mit so geschädigten Autos dann noch fast 200km fahren kann.

Nebenbei habe ich dann in der gleichen Werkstatt noch das Auto eines Mitbewerbers gesehen. Denen ist offenbar einer in die Seite reingefahren, und darauf hin hat sich das Auto überschlagen. Offenbar wenigstens ohne Patient.
Ein Bild dieses Wracks ist hier. Überbelichtetes Handyfoto, aber man erkennt die groben Schäden denke ich deutlich.
Das wollte ich im Rahmen eines Informationsblogs über den Fahrdienst auch einmal bringen. Der Job ist durch die tägliche Gefahr im Straßenverkehr nicht gerade risikolos.

Jetzt noch zur Titelgeschichte. Die ist eigentlich selbst eher kurz, aber hat einen doch recht großen Diskussionsbedarf zur Folge.
Ich habe die letzten Tage fast jeden Tag über 10 Stunden gefahren, manchmal sogar fast 12 und oft über 11 Stunden. Das ist in der sogenannten freien Wirtschaft vielleicht durchaus normal, aber es ist schon dreist, wenn man mal objektiv anschaut, dass wir für diese Arbeit eben doch nur etwas mehr als 500€ im Monat bekommen. Ein umgerechneter Stundenlohn von nicht mal einem Euro für eine Arbeit, die nach einer Woche schon an den Kräften zehrt und am Wochenende viel Zeit nur für Schlaf benötigt ist schon fast dreist. Vorrausgesetzt man hat überhaupt ein Wochenende. Zwölf Tage durchgehend Arbeiten, weil Samstag und Sonntag mal deine Person gefragt war, und Freizeitausgleich eher ein Wort im Vertrag als in der Realität ist, zehrt schon echt an den Kräften.
Und bevor jetzt einer hier schreit, was für ein Weichei ich denn wäre und ich soll mal raus in die Welt schauen wie es da zeitlich zugeht. Ja ihr habt recht. Das ist normal. Aber nicht für diesen Lohn.
Jetzt zur anderen Seite. Bevor ich den Zivildienst angetreten habe und im laufenden Jahr noch studieren wollte, sah ich die Sache als Zeitverschwendendes Arbeitsbeschaffungsmittel um die Sache mit der Wehrpflicht etwas Aufrecht zu erhalten. Ich dachte mir sogar kleine Pläne aus, wie man Alterntiven schaffen kann (Die Utopie der Sache lasse ich jetzt mal aussenvor ;) ). Jetzt, nach knapp zwei Monaten im Dienst muss ich einfach ehrlicherweise sagen, dass unser System nicht anderes exisiteren könnte. Solche Unmengen an jungen Leuten helfen an allen Ecken und Enden im Pflegedienst, und das lässt sich mit Privatfirmen oder auch staatlich angestellten Vollzeitkräften unmöglich bewältigen. Der Staat und das Gesundheitswesen in Deutschland braucht seine Zivis. Und da liegt sogar der Satz nahe, dass der Bund noch ein Vorwand für den Zivildienst ist, und nicht andersrum.

Tja und da sitzt man nun… hat endlich mal wieder vor 18 Uhr Feierabend (nach dem man um 7 schon im kaputten Auto war) und tippt mit dem neuen Lohnzettel diese Zeilen… Viel Geld oder wenig Geld? Schöne Arbeit oder Ausbeuterei? Fragen, die jeder für sich beantworten muss. Meiner Meinung nach überwiegt der zweite Teil deutlich und ich tue meine Arbeit weiterhin gerne. Es macht immernoch Spaß und lustigerweise bleibt einem nach einem Tag freundlich sein auch mal das Lächeln bis zu Hause auf dem Mund. Völlig grundlos. In diesem Sinne: :)


Essen auf Rädern (I)

Januar 3, 2009

Die vergangene Woche hatte Fahrdiensttechnisch, quasi nichts erzählenswertes zu bieten, wenn ich nicht komplett in den Sensationsjournalismus abbrechen will. Kranke in den verschiedensten Facetten haben wir ja ob unseres Berufszweiges genug. Ich will daher jetzt auch nicht mehr über jede schlimme oder tolle Erfahrung schreiben, wenn sie doch letztendlich alltäglich ist.

Anfang dieser Woche erhielt ich durch den Dienstplan die Anweisung, das erste mal am Wochenende zu arbeiten. Samstag und Sonntag stand in meiner Tabellenspalte „EAR“, was die Abkürzung für „Essen auf Rädern“ ist.
Da ich das bisher noch nie gemacht hatte, war nun Eile angesagt. Diese Woche, die auch noch zwei freie Tage (Silvester und Neujahr) beinhaltete, war die einzige, die mir also zum Erlernen des ganzen Umfangs der Essensfahrer noch blieb.
Daher fuhr ich dann gleich zu Beginn des Tages mit dem ersten Essensfahrer mit, um mir die Sache einmal anzuschauen.

Zuerst (und meist schon am Vortag) werden die vorbestellten und dann in der Zentrale tiefgekühlten Essen ausgepackt, mit Namen versehen und anschließend sortiert.
Dann wird die sortierte Kiste an Essen in die Küche gebracht, und in umgekehrter Reihenfolge wieder in den Ofen eingeräumt. Nach einiger Zeit des Brutzelns darf das Essen dann wieder heraus, und wird in Isolierboxen aus Styropor eingeräumt, die dann (wieder richtig sortiert) im Auto landen.

Besonders am Wochenende ist das immer etwas doof, wenn man nur um das Essen einzuräumen, das Bett verlassen muss, um dann mit dem Essen gemeinsam über eine Stunde zu warten und wieder halb einzuschlafen. Daher hat sich glücklicherweise die Tradition entwickelt, dass am Wochenende immer an beiden Tagen die beiden gleichen Leute arbeiten, und abwechselnd immer nur einer aufsteht. (Das geht selbstverständlicherweise nur bei einer geraden Anzahl von Essensausfahrtouren, wie es sie bei mir gerade gibt.)

Wenn dann beide topfit da sind, fahren alle beladenen Autos nahezu gleichzeitig vom Hof und versorgen die Stadt mit frischem warmen Essen aus holländischen Fabriken. Nach ersten Augenzeugenberichten schmeckt das Essen aber wirklich gut, daher sind obige Zeilen absolut wertfrei zu lesen…. ;)

Naja das Ausfahren selbst ist dann nicht sonderlich aussergewöhnlich. Man hat eben eine Liste mit Adressen, die man abfahren muss und jedem das auf der Liste notierte Essen in die Hand drückt. Im Grunde wie Zeitung austragen, nur wärmer…

Die nächste Woche bin ich ständig als „zweiter Fahrdienst“ eingeteilt. Heißt ich bin entweder Notfallressource, wenn alle Fahrer weg sein sollten (was bei unserer derzeitigen knapp doppelt so großen Zivianzahl über normal sehr unwahrscheinlich ist), oder bei Fahrten die besonders schwer zu bewältigen sind (sei es ob des schieren Patientengewichts oder auch schwer zu rangierenden Gebiets) ein Beifahrer und Helfer. Beides klingt für einen gesamten Arbeitstag unglaublich stressig, nicht? ;)
Wir werden sehen.


Weihnachten, die stille Zeit!?

Dezember 27, 2008

Die Feiertage sind vorbei, und die freien Stunden bieten Gelegenheit noch ein wenig über die letzten Tage zu schreiben.
Am 22. und 23. Dezember, also Montag und Dienstag, waren die bisher stressigsten Arbeitstage des noch jungen Zivilebens. Weil an Weihnachten ein Großteil der Alten und Kranken eben verständlicherweise nach Hause wollen, um dort zu feiern, haben wir neben den ganz normalen Fahrten noch eine Wahnsinnsmenge an Extrafahrten zu bewältigen, die alle, von der Einsatzzentrale bis zu den Fahrern, in einen permanenten Stresszustand versetzt hat. Die Zentrale hat es dann auch einige Mal erfolgreich geschafft, zwei Fahrer zu einer Person und keinen Fahrer zur anderen Person zu schicken und ähnliches. Für mich gab es glücklicherweise kaum solche Ereignisse. Es hat auch so schon gereicht, dass ich am Montag Morgen gegen acht Uhr reinkam, und gleich zwei Aufträge vorfand, die um 16 Uhr und um 20 Uhr zu fahren waren. Ein 12,5-Stunden-Tag an sich ist ja nicht total schlimm, solang man ihn nicht täglich hat, aber die Sache wird doof, wenn man es schon im vorhinein weiß. Denn natürlich habe ich an diesen Tagen nicht 3 Stunden auf den nächsten Auftrag gewartet, sondern bin immer sofort von einem zum nächsten gehüpft und konnte von Glück reden, noch meine Semmeln essen zu können (,die ich intelligenterweise in der Zentrale liegen hatte.).
Tag 1 vor Weihnachten war dann wenigstens von der Arbeitszeit etwas angenehmer. Stressig trotzdem allemal. Vor allem mit kleinen Bonuserlebnissen, die einem natülich genau dann passieren wenn man das erste mal alleine fährt:
Eine Rollstuhlfahrt war mir aufgesetzet, aber kein Rollstuhl war bei den Autos. Nur ein kaputter in der Garage und mit dem kann ich ja schlecht einen Patienten befördern. Ok, ab in die befreundete Tagespflege und dort einen Ausgeliehen. Beim rausrollen und ins Auto schieben ist mir nichts weiter aufgefallen, doch als ich dann den Patienten aus dem Auto zur Behandlung schieben will, war leicht zu bemerken, dass die Reifen des Rollstuhls alles andere als Aufgepumpt waren. Da nun aber der Patient die zu bewältigende weite Strecke absolut nicht gehen konnte, blieb mir nichts anderes übrig, den ganzen Weg auf (immerhin) glattem Klinikboden mit einem Platten zu schieben. Und wer das Geräusch eines Platten Reifens kennt, der trotzdem bewegt wird, der kann sich die Blicke der Ärtzte und Schwestern vorstellen… ;)
Naja aber auch da musste mal durch, dachte ich mir, und brachte nach der Fahrt den Rollstuhl wieder zur Tagespflege mit einem vermerk auf die Luft zurück. Da nun aber gleich die nächste Fahrt wieder einen Rollstuhl benötigte, hab ich mir einen anderen von denen geholt. Natürlich wieder ohne überprüfen des Geräts (Bis auf die Reifen. Die hab ich getestet…). Und jeder kann sich vorstellen, was das für einen guten Eindruck auf die Patienten und „Kunden“ macht, wenn man sie mit einem Rollstuhl ohne Fußteil fahren muss. Das bedeutet konkret „Öhm könnten sie während der Fahrt die Beine ein wenig hochhalten, weil wenn sonst ne Kante kommt brech ich Ihnen den Haxen…“, oder so.
Soviel zu den erzählenswerten Dingen der Tage. Sonst haben diese zwei Vorfeiertage nur wenig aussergewöhnliches (und auch erstaunlich wenig Trinkgeld) hervorgebracht. Mal sehen wie die Woche vor Silvester dann noch wird.


Des Leergangs zweiter Teil.

Dezember 21, 2008

Montag Morgen gegen 9 Uhr ging die Fahrt wieder los. Diesmal erfreulicherweise ohne die Suche nach dem richtigen Weg, aber dafür mit gemischten Erfahrungen. Einerseits freuten sich alle auf noch eine Woche mit echt tollen Mitstreitern, die die lehrreichen Tage etwas erleichtern, aber andererseits war wieder eine volle Woche mit Geschmacksfreiem Essen zu erwarten…
Auf dem Plan standen in dieser Woche weitere Krankheitsbilder, Hygiene und dann die hervorstechenden Themen Hauswirtschaft und Fahrtraining.
Das eine die Objektifizierung des sinnlosen für einen Fahrdienstler wie mich, und das andere dann auch gleich das Thema mit dem meisten Realitätsbezug.
Da wir ja wie gesagt alle schon wusste, wo alles ist, und alle anderen kannten, verlief der erste Tag im Grunde sehr Angenehm. Die Themen waren Alzheimer und Parkinson, die beide jetzt nicht gerade den Ekelfaktor von Dekubitus-Bildern haben, aber doch durch Film und Bild untermalt einen am Geiste zehrenden Faktor bilden.
Nach knapp 6 Stunden Theorie und Stunden Film zu beiden Themen wünscht man sich eigentlich kaum etwas mehr, als nie jemanden in der Familie zu haben, der eine der beiden Krankheiten im Endstadium innehat, noch selbst Opfer dieser Selbstzerstörung des Körpers zu werden.
Den Tag danach füllt dann ein Themenbereich, der für einen Pflegezivi sehr wichtig ist. Hygiene an sich selbst und vor allem an Patienten. ‘Wie mache ich eine Ganzkörperwaschung richtig?’, ‘Wie kann ich vermeiden mich selbst anzustecken?’ und ähnliches. In der zweiten Hälfte lernten wir noch die Gewohnheiten des Täglichen Lebens (oder so.) kennen, die ein älterer oder kränkerer Mensch eventuell nicht mehr ausführen kann, und wo Hilfe anzusetzen ist. Angefangen von Atmen, Essen, Trinken und die Verrichtung des Geschäfts, geht diese Liste auch zu diversen Freizeitbeschäftigungen wie Lesen oder Musik hören. Insgesamt aus meiner Warte ein sehr langweiliger Tag, der sich nur darin gelohnt hat, dass ich in 4-Gewinnt knapp besser als mein Banknachbar war und das große 8-Stunden-Turnier mit einem Punkt vorsprung gewonnen habe.
Mittwoch war dann endlich das Fahrtraining angesagt. Dieses bestand zuerst einmal aus einer zweistündigen Theorievorlesung eines ‘echten’ Fahrlehrers, die zum einen das Führerscheinwissen auffrischt, und zum anderen noch Fachspezifische Teile für größere Fahrzeuge und Krankentransporte beinhaltete. Danach wurde noch ein obligatorischer Theorietest geschrieben, den unsere Gruppe mit Ausnahme zweier Leute mit Bravour nicht bestanden. Ich erlaube mir hier aber dreisterweise zu sagen, dass das an der Auswahl der Fragen und nicht an uns lag. Den LKW-Führerschein haben ja die wenigsten in unserem Alter, und daher kann man auch ohne es davor zu lernen, kaum einen LKW-Theoriebogen ausfüllen. Aber egal. Das Nichtbestehen hat keinen Einfluss auf irgendetwas und ist nur pro forma vorhanden. Daher ab zum Mittagessen und danach ins Auto.
Mit gefülltem Magen und einem ähnlich Großen Ford Transit ging es dann auf den Jugendhauseigenen Parkplatz und mit einigen Pylonen und drei langen Holzbrettern wurden dann verschiedene Parkours für ‘Rückwärts um die Kurve fahren’, ‘Slalom vorwärts und rückwärts’ und ‘Wenden in drei Zügen’ aufgebaut, die dann jeder aus der Gruppe mit einem Teamkollegen als Einweiser zu bestreiten hatte. (Man lernt hierbei, dass man ein Verkehrshütchen entweder sieht, oder wenn nicht, dann immerhin hört.)
Man wird sich jetzt fragen, warum ich über das meisterwartetste Thema so wenig schreibe, aber das liegt einfach daran, dass nicht viel dabei war. Es dauert schlicht nur so lang, bis alle mal dran waren, und daher ist ein ganzer Tag dafür eingeplant. Fast ein ganzer Tag zumindest. Eine Stunde lang durften wir nach dem geschriebenen noch einem anderen Referenten über Diabetes zuhören. Das war ob der Qualität des Referenten noch ein Highlight des Tages auf der Interessenskala. Jetzt wissen wir alle, dass der Diabetes Typ 2b mit Übergewicht verbunden ist, und man sich das ganz einfach merken kann, weil b für Bauch steht, ausser im Falle einer schwangeren Diabetikerin, bei der der Bauch ja von Baby kommt und weil minus mal minus gleich plus ist, ist das dann entweder Typ 2a oder sogar Typ 1. Einfach, oder? ;)
Naja, ab zum nächsten Tag. Hauswirtschaft.
Die ersten beiden Stunden mit einem extrem unmotivierten Dozenten, der sich einfach nur hingesetzt hat, seine Powerpointfolien vorgelesen hat und mit der Maus geklickt hat (immerhin!), gingen über die Stoffe in unserer Nahrung, warum wir sie brauchen, was passiert wenn Mangel auftreten und was man dagegen tun kann.
Danach gesundes Essen für Senioren und ähnlich spannende Themen.
Hemden bügeln und Knöpfe annähen haben wir uns gespart, von dem her kann ich leider nichts dazu sagen. Auf dem Plan stehts aber eigentlich. Als zeitfressenden Abschluss wurde dann noch We feed the World angeschaut, und die Runde frühzeitig entlassen.
Der letzte Tag war dann noch mal eine Nervenprobe für alle. Einziger Tagesinhalt war die Prüfung, die alle Inhalte der letzten beiden Wochen abfragte. Diesmal hatte ein Bestehen oder Nicht-Bestehen sogar weitreichendere Konsequenzen, die je nach Dienststelle bis zur Wiederholung des Lehrgangs (oh nein!) führen können.
Letztendlich und bei manchen unter zuhilfenahme einer mündlichen Nachprüfung haben aber alle Lehrgangteilnehmer bestanden und durften dann nach einem letzten Weißwurschtfrühstück nach Hause gondeln.
Das Fazit ist das gleiche wie letzte Woche: Tolle Leute, super Stimmung, teils interessante Sachen gelernt und aber auch viele langweilige Stunden mit Sinnhinterfragung erlebt. Die Dozenten des BRK sind jedenfalls sehr ambivalent zu beurteilen. Entweder himmelhochjauchzend super, oder abgrundtief schlecht. Größtenteils letzteres.
Ab Montag geht es dann wieder weiter im normalen Dienst. Laut jetzigem Stand muss ich an Weihnachten immerhin nicht arbeiten.
Mal sehen was noch kommt.


Leergang (Teil 1)

Dezember 14, 2008

Das Rezept für eine durchaus tolle Woche.

Man nehme:
1 Kaff
0 Erwartung
25 Lernhungrige Saufbrüder
1 Supermarkt in 5,69 km Entfernung
und zu guter letzt „die beiden besten“ Rot-Kreuz-Lehrer Bayerns.

Nach der circa halbstündigen Anreise in das wohl ländlichste Gebiet Bayerns mit so toll klingenden Ortsnamen wie „Thürsnacht“ und „Kirchenwinn“ erreiche ich Habsberg. Dieser Weiler, bestehend aus einer Rokokokokirche, einer neueren Kapelle und einem Parkplatz (nebenbei noch zu erwähnen ein Diözesanjugendhaus mit knapp 50 Betten) sollte nun für durchgehend 5 Tage meine Herberge sein.
Absolut keine positive Erwartung in allen Teilnehmern. Bestimmt nur langweilige Menschen dort, die auch noch aufpassen wollen und noch nie nach 22 Uhr wach geblieben sind. Und der Stoff wird sowieso langweilig.

Doch weit gefehlt. Ausnahmslos jeder, mit dem ich darüber geredet habe, hatte die gleichen Erwartungen. Doch jeder wurde in allen Punkten eines besseren belehrt.
Nach der recht willkürlichen Zimmereinteilung Sammeln wir uns im zum Plenum umfunktionierten Meditationsraum. Namensschilder werden verteilt, und erste Kontakte mit den Sitznachbarn geknüpft. Der erste Eindruck: ‘Hey das könnte ja doch eine recht spaßige Woche werden!’.
Dann kommt er, einer der angeblich beiden besten Lehrer des Roten Kreuzes Bayern. Eine Mischung aus Steve Jobs und Harald Lesch. Kaum hörbar und mit einer Seelenruhe beginnt er zu sprechen und es dauert einige Sekunden, bis der Saal selbstständig Ruhe gibt und gebannt zuhört. Seltsamerweise hat dieser eher schmächtige Mann mit der leisen Stimme Authorität. Nach einer Stunde Organisatorischen Informationen haben die meisten ihre anfängliche Unlust schon verloren und freuen sich insgeheim aber doch nur aufs bevorstehende Mittagessen.
Dieses war wie noch öfter in dieser Woche eine herbe Enttäuschung. Nudelsuppe aka Nudeln mit gefärbtem Wasser und ähnliches bringen unsere Geschmacksverstärkeradaptierten Zungen kaum zum Zucken. Die ersten Überlegungen werden laut, wann wer zum Netto fährt und Essen einkauft. Ein gelernter Koch merkt an „Salz und Pfeffer kann man hernehmen. Muss man aber nicht.“
Nunja, weg vom schlechten. Uns erwartet ja eine spannende Woche also sollte man sich nicht über das erste Essen aufregen…
Wie sich dann herausstellen sollte, waren 2/5 Mittagessen, 1/4 Abendessen aber immerhin 4/4 Frühstücken sehr gut. Der Rest ist nicht mal für Schullandheimverhältnisse gut gewesen, aber ich wollte ja nichts sagen.
Bevor ich hier weiter rummotze, erzähl ich lieber noch von den Inahlten des Lehrgangs. Erster Tag beinhaltet im groben unsere Rechte und Pflichten als Zivilienstleistende (Dieser Blog darf in der bisherigen Form trotz des harten Datenschutzes laut des Dozenten bestehen). Wir sind im Ausland ohne Anmeldung nicht versichert, dürfen ausser zu Kollegen quasi nichts sagen, kein Trinkgeld annehmen, müssen alles können, uns perfekt auskennen und überhaupt ist das Bundesamt für Zivildienst unser goldenes Kalb, dass es anzubeten gilt.
Nun gut. Wissen sollte man es schon einmal, aber es war doch etwas Zeitaufwendig für dass, das man eh schon weiß, dass die Hälfte der Regeln im Alltag keine Beachtung findet. (Liebes Bundesamt, falls du mitlesen solltest, hier mal schöne Grüße. Wer solche Regeln aufstellt, darf sich nicht wundern wenn sie für einen normalen Menschen im Alltag nichts mehr gelten.). Ausserdem bestätigte sich an diesem Tag dann auch noch die Kompetenz vom ersten Lehrmeister. Durch die lockere und doch informative Weise, uns alles beizubringen waren fast alle dabei und fielen nicht in den ein oder anderen Schlaf.
Der Zweite Tag dieser Woche bestand dann aus einem Erste-Hilfe-Kurs, der ob der mehrmaligen Wiederholung im Werdegang eines Zivis (Führerschein, Personenbeförderungsschein, … immer braucht man 1. Hilfe-Kurse) dann absichtlich sehr tiefgehend von einem anderen Dozenten dargeboten wurde. Mehr Hintergründe als Normal. Weniger praktische Übungen zur Stabilen Seitenlage und zum Druckverband. Insgesamt kein ganz so kurzweiliger, aber doch recht interessanter Tag mit der bärtigen Kultfigur des Tages, die uns ein „lustiges“ Video nach dem anderen gezeigt hat, um die Zeit zwischen den Pausen etwas zu versüßen. Eins krasser wie das andere. Hier ein Beispiel.

(Offenbar ein Fake. Aber beim ersten mal schon sehr schockierend…)

Der Dritte Tag vermittelt uns mithilfe des ersten Lehrers die Grundlagen der Psychologie und der gezielt beruhigenden Gesprüchsführung. Gruppenarbeit zu den Ebenen einer Nachricht und endlose Powerpoint-Folien pressen Wissen in unseren Kopf, dass nur sehr unwahrscheinlich in der ernsten Situation seinen Platz neben Adrenalin und Schweiß findet. Aber klar. Es muss uns gesagt werden und ganz so doof ist es ja auch nicht. Bringt nur in dem offensiven Sinne nichts. Gesprächstraining eins zu eins wäre da wohl um einiges effektiver, aber das kostet Zeit und Lehrer. Also lassen wir das.
Donnerstag in der Woche des Herrn 1. Der gleichzeitig interessanteste, ekelhafteste und langweiligste Tag.
Knapp acht Stunden Lehrgang mit einer nach aussen hin unfähigen Dozentin. Ich weiß nicht ob sie im Inneren mehr weiß, aber wer seine vom BRK gestellten Powerpoint-Präsentationen von der Wand abliest und Fragen nur unzureichend beantworten kann, sollte besser nicht Dozent für angehende Mit-Lebensretter werden.
Jedenfalls war es sehr interessant die biochemischen Funtionen aller wichtigen Organe, die Wirkungsweise von Drogen auf unser Gehirn und die Erlebnisberichte von Menschen mit künstlichen Darmausgängen kennenzulernen. Allerdings schon heftig was teilweise mit dem menschlichem Körper passieren kann. Bei Dekubitus (ich erspare mir die Illustration dazu) oder Originalfilmaufnahmen von einem lebenden Schweineherz beim Herzrasen waren schon hart an der Grenze, das Essen wieder auf der falschen Seite rauszulassen. Aber trotzdem wie gesagt: Sehr interessant alles mal zu wissen.
Der Letzte Tag in der ersten Woche beinhaltete dann noch zwei weitere Hauptthemen. Schlaganfall und Seuchen. Beide Male durch knapp einstündtiges Videomaterial aus der BBC und dem DiscoveryChannel untermalt, war der Tag recht angenehm und stand im Informationsgehalt dem vorigen Tag in nichts nach.
(An alle Mitlesenden Biologen, Chemiker und Mischlinge: Kann das wirklich so schwer sein, einen Stoff zu entwickeln, der Cholesterin und ähnliche Stoffe zersetzt, ohne die Körpereigenen Adern anzugreifen? Es hat mich wirklich verblüfft und bestürzt, dass ein Herzinfarktgefährdeter Mensch, der den Ernst der Lage erkannt hat und sich von da an gesund ernährt und alles macht, was man seinem Körper gutes tun kann, keine Chance hat in den nächsten 10 Jahren etwas zu verbessern. Der Dreck in den Venen bleibt da einfach. Rohrfrei für die Venen gibt es auch nicht. Boah man. Da hat doch kein 40-jähriger Mensch die Motivation seine Ernährung umzustellen.)
So. Nach den Filmen und Voträgen gab es nun noch ein gemeinsames Weißwurschtessen und dann wurden wir zur Abreise freigegeben. 56 Seiten Skript wollen übers Wochenende durchgelesen werden und für die Prüfung nächsten Freitag vorbereiten.

(Szenenwechsel)

Nach den Vorlesungen durften sich 25+ junge Menschen auf einen schönen Abend freuen. Nachdem im nahegelegenen Supermarkt ein kleiner Schock ausgelöst wurde, weil plötzlich alle Reserven an Bier, Red Bull und Chips von einer kleinen Meute aufgekauft wurden, begannen alle, soziale Kontakte zu knüpfen *hust*…
Die Details haben hier eigentlich nicht viel verloren. Aber nur so viel: Die Geschichten, die euch ältere Zivis von den Lehrgängen erzählen stimmen doch. Und euer Lehrgang wird sicher nicht der „langweiligste seit 4 Jahren“.
Der erste Abend führte für drei Leute zu einem Zustand, in dem keiner gerne gefilmt werden will (was ich böser Kerl natürlich getan habe…) und für Alleminuseinen ein sehr berauschendes Fest war. An jedem einzelnen Abend wurde die früh eintretende Nacht zum Tag gemacht, Billiard und Kicker ohne Ende gespielt und Diverse bewusstseinshemmende Stoffe eingenommen. Das war einfach nur noch Wahnsinn. Wenn das nächste Woche wieder so wird, brauchen wir alle keine Beispielbilder mehr von Leberzirrhose…

Insgesamt lässt sich sagen: Frontalunterricht für über 20 Leute ist, wie schon angemerkt, nicht gerade der beste Weg, uns den Großteil beizubringen, aber zwei von drei Dozenten haben immerhin ihr Maximum gegeben und uns eine lehrreiche Woche beschert.

Die kommende Woche beinhaltet Hauswirtschaft inklusive zwei Stunden Bügeltraining, was unumstritten Fahrdienstnotwendig ist, und einen Tag Fahrtraining, was widerrum den ganzen Pflegedienstlern viel hilft, und auf einem stark zugeschneiten Parkplatz eh kaum möglich ist.

Das verhoffte Liveblogging gab es ja nicht. Das Lag daran, dass in diesem Haus nur eine ISDN-Verbindung mit Zeitabrechnung (Pro Minute 4ct…) und so gut wie kein Handynetz waren. Wenn schon Kaff, dann auch richtig Abgeschnitten, oder? …
Wenn ich Ende nächster Woche noch Zeit und Muse finde, kommt dann der Beitrag zu Woche zwei. Vor Freitag Nachmittag aber wohl kaum.

Bis dahin gilt wie immer: Seid gespannt.


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